Internationale Tagung: Streichungen - Kreation aus Negation, Klagenfurt

Europe/Vienna
Klagenfurt

Klagenfurt

Description

Streichungen gibt es nur da, wo es schon etwas gibt. Keine Streichung kommt ex nihilo, keine
ist voraussetzungslos. Die Streichung ist eine Negation, die Spuren legt ‚in Bezug auf‘. Sie kann
der Anfang von etwas Neuem sein und von einem negativen in einen kreativen Akt umschla-
gen. Die Streichung hat Aufforderungscharakter, sie ist affordance-in-interaction (N. Zillien
und A. Bosse). Dies betrifft ihr Vorher, sie selbst und ihr Nachher.
Streichungen als „Performance-Akte der Textwerdung“ (A. Grésillon) wurden bisher vor allem
anhand literarischer Text- und Schreibprozesse untersucht. Darüber möchten wir hinausge-
hen.
Denn die Streichung ist ein mit Schreiben interagierender Akt, den alle Schreibenden alltäglich
vollziehen – meist so routiniert, dass seine Vielfalt und seine kreativen Effekte unreflektiert
bleiben: Löschen, Tilgen, Durchstreichen, Überschreiben, Übermalen, Einklammern, Korrigie-
ren, Ersetzen oder Reaktivieren des Gestrichenen und schließlich Auslösen von neuen Texttei-
len, von ganzen Texten. Darüber hinaus entwickelt jede:r Schreibende je individuelle Formen
der Streichung, die selbstadressiert und (oft unbewusst) Aufforderungen sind.
Streichungen finden in allen Schriftsprachen und in allen Textsorten statt, aber auch in teil-
schriftlichen audio-visuellen Medien – von analog bis digital. Streichungen finden bereits beim
Schreibenlernen statt, als Selbstkorrektur oder Korrektur durch Lehrpersonen, als Auslöser
neuer Texte. Streichungen sind Teil eines dynamischen (Selbst-)Bildungsprozesses. Streichun-
gen finden als Verschiebungs-, Verdrängungs-, sogar Auslöschungsversuche in individuellen
und kollektiven Erinnerungsprozessen statt und können Um- und Neuschreibungen initiieren.
Da, wo die Streichung eine bedeutungsvolle, zu deutende materiale Spur hinterlässt, setzen
wir mit unserer Tagung an. Denn die schriftbezogene materiale Spur ermöglicht uns, Strei-
chungen und ihre Effekte konkret zu untersuchen.
Die Vorträge der Tagung orientieren sich an folgenden Leitlinien:
• Ästhetik und Materialität der Streichung: Löschung, Radierung, Übermalung … Leer-
stellen …
• Streichungen im literarischen Schreibprozess und beim creative writing
• Streichungen als Operation in kollektiven Produktionsprozessen: Buch/Lektorat, Zeit-
schrift und Zeitung/Redaktion und in teilschriftlichen audio-visuellen Medien – bis hin
zu Selbstzensur oder Zensur
• Streichungen im digitalen Schreiben und digitale Forensik
• Streichungen beim Schreibenlernen
• Streichungen beim Übersetzen
• Streichungen in individuellen und kollektiven Erinnerungsprozessen
Die Tagung findet an der Universität Klagenfurt statt und wird vom Robert-Musil-Institut für
Literaturforschung / Kärntner Literaturarchiv unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Anke Bosse
organisiert. Im Rahmen der Tagung wird eine Ausstellung zu Streichungen im Zentralgebäude
der Universität stattfinden.

Abstracts
Registration
Anmeldung
    • Begrüßung und Einleitung: (Anke Bosse, Dekan Hans Karl Peterlini) Hörsaal 4

      Hörsaal 4

    • Keynote – Stephan Kammer (München): Streichungen – materiale Negativität Hörsaal 4

      Hörsaal 4

    • Johannes Waßmer (Klagenfurt): Poetiken der Streichung Hörsaal 4

      Hörsaal 4

    • Thorsten Ries (Austin): „Was bleibt?“ – Zur Materialität der digitalen Streichung (bis hin zur KI Schreibszene) Hörsaal 4

      Hörsaal 4

    • Vernissage und Eröffnung der Ausstellung Streichungen (LH Peter Kaiser, Rektorin Ada Pellert, Anke Bosse, Elmar Lenhart) Aula

      Aula

    • Benjamin Krutzky (Osnabrück): Streichungen als materiale Spuren zur editionsphilologischen Bestimmung der dichterischen Arbeitsweise (Moderation: Anke Bosse) Z.1.09

      Z.1.09

    • Nicole Streitler-Kastberger (Graz): Verschärfen und Zuspitzen – Streichungen im Werk Ödön von Horváths (Moderation: Artur R. Boelderl) Z.1.08

      Z.1.08

    • Roland Reichen (Bern): Streichungen und ihre Visualisierung in der digitalen Gotthelf-Edition (Moderation: Anke Bosse) Z.1.09

      Z.1.09

    • Sandra Raguž (Bern): „Streichen wie gewöhnlich, gar zu radical“ – Entlang der Streichspur Carl Spittelers und Jonas Fränkels bei der Umarbeitung von Prometheus der Dulder (Moderation: Artur R. Boelderl) Z.1.08

      Z.1.08

    • Kaffeepause Aula

      Aula

    • Erika Maria Sottile (Venezia): Von „Graubünden“ zum „Gebirg“. Celans Streichung als intertextueller und philosophischer Akt (Moderation: Artur R. Boelderl) Z.1.09

      Z.1.09

    • Nursan Celik (Bielefeld): Streichungstendenzen und gegen-derte Selbstzensur bei deutschsprachigen Autorinnen des 19. Jahrhunderts (Bettina von Arnim, Karoline von Günderrode und Lou Andreas-Salomé) (Moderation: Anke Bosse) Z.1.09

      Z.1.09

    • Johannes Bungenstab (Darmstadt): »[D]och nicht bis zur Unleserlichkeit getilgte Stellen« – Ingeborg Bachmann schreibt Paul Celan (Moderation: Artur R. Boelderl) Z.1.08

      Z.1.08

    • Jutta Fortin (Klagenfurt): Streichung und Kreation bei Alain Fleischer und Camille Laurens/Rémi Vinet (Moderation: Anke Bosse) Z.1.09

      Z.1.09

    • Natalia Lecce (Klagenfurt): Streichungen, Varianten und poetologische Reflexion in Ingeborg Bachmanns Ungaretti-Übersetzungen (Moderation: Artur R. Boelderl) Z.1.08

      Z.1.08

    • Steven Schoonjans (Klagenfurt): Streichung von Modal-Partikeln in DVD-Untertiteln (Moderation: Anke Bosse) Z.1.09

      Z.1.09

    • Mittagspause: Selbstversorgung im Campus-Umfeld – siehe Tagungswebseite: Restaurants, Cafés, Unimensa Aula

      Aula

    • Anke Bosse (Klagenfurt): Streichungen in Thomas Bernhard Gedichtsammlung In hora mortis (Moderation: Johannes Waßmer) Z.1.08

      Z.1.08

    • Laura Basten (Berlin): Werkbehauptungen. Maria Benemanns literarischer Nachlass und die immaterielle Streichung als Produktionsmodus und Änderungstypus (Moderation: Angela Fabris) Z.1.09

      Z.1.09

    • Barbara Di Noi (Firenze): »[D]och nicht bis zur Unleserlichkeit getilgte Stellen« – Ingeborg Bachmann schreibt Paul Celan (Moderation: Angela Fabris) Z.1.09

      Z.1.09

    • Dominik Srienc (Klagenfurt): Schreiben, streichen, erinnern, vergessen. Zum Bleistiftschleier bei Florjan Lipuš (Moderation: Johannes Waßmer) Z.1.08

      Z.1.08

    • Kaffeepause Aula

      Aula

    • Naomi Beutler (Paris/Barcelona): "Entzogene Gnade?"-Streichungen in den Barceloner Kollationsbüchern des 17. Jahrhunderts (Moderation Angela Fabris) Z.1.09

      Z.1.09

    • Salomon Kpodo (Siegen): Streichungen im literarischen Schreibprozess von Barthes’ Variations sur l’écriture (Moderation: Johannes Waßmer) Z.1.08

      Z.1.08

    • Abendessen oder Abend zur freien Verfügung Aula

      Aula

    • Lehel Sata (Debrecen): „das ganze im teil zerlassen“. Formen und Funktionen der Streichung in Hansjörg Zauners Anagrammgedichten (Moderation: Jutta Fortin) Z.1.09

      Z.1.09

    • Nadja Danglmaier, Hajnalka Nagy (Klagenfurt): Wie Erinnerungsarbeit wirksam werden kann. Forschung – Lehre – Third Mission (Moderation: Luca Melchior) Z.1.08

      Z.1.08

    • Johanne Mohs (Bremen): Einschwärzen/Ausweißen. Blackout Poetry als Creative Writing- und Avantgardeverfahren (Moderation: Jutta Fortin) Z.1.09

      Z.1.09

    • Magdalena Mühlböck (Klagenfurt): Museografische Praktiken zwischen Streichen und Bewahren im Berliner Humboldt Forum (Moderation: Luca Melchior) Z.1.08

      Z.1.08

    • Kaffeepause Aula

      Aula

    • Angela Fabris (Klagenfurt): Streichungen und Umschreibungen im mehrsprachigen Raum: Fiume und Osvaldo Ramous (Moderation: Luca Melchior) Z.1.08

      Z.1.08

    • Artur R. Boelderl (Klagenfurt): Streichungen des Seins. Philosophische Implikationen literarischer Textmanipulation: Hölderlin – Heidegger – Derrida (Moderation: Jutta Fortin) Z.1.09

      Z.1.09

    • Simone Lettner (Salzburg): Die Streichung im Dazwischen: Richard Friedenthals Überarbeitung der Balzac-Biographie Stefan Zweigs (1946) zwischen Lektorat, Herausgeberschaft und Autorschaft (Moderation: Luca Melchior) Z.1.08

      Z.1.08

    • Torsten Voß (Klagenfurt): Streichung als Erfahrung von Autor*innenschaft und die Unzugehörigkeit als Schreibsituation bei Hermann Lenz (Moderation: Jutta Fortin) Z.1.09

      Z.1.09

    • Mittagspause: Selbstversorgung im Campus-Umfeld – siehe Tagungswebseite: Restaurants, Cafés, Unimensa Aula

      Aula

    • Ksenia Kuzminykh (Göttingen): Schreiben, Streichen, Überschreiben: Zur Poetik der Streichungen in der deutschen Gegenwartsliteratur am Beispiel der Romane zu lieben und Die Verwandelten von Ulrike Draesner (Moderation: Dominik Srienc) Z.1.09

      Z.1.09

    • Ursula Doleschal, Luca Melchior, Lisa Rieger (Klagenfurt): Slowenisch im Linguistic Landscape Kärntens einst und heute – eine Spurensuche (Moderation: Nadja Danglmaier) Z.1.08

      Z.1.08

    • Carmen Mertlitsch (Klagenfurt): Dem wissenschaftlichen Streichen auf der Spur (Moderation: Nadja Danglmaier) Z.1.08

      Z.1.08

    • Yvonne Dudzik (Rostock): Arbeit am (Fernseh-)Material: Streichungen in Uwe Johnsons Fernsehkritiken und Eine Reise nach Klagenfurt (Moderation: Dominik Srienc) Z.1.09

      Z.1.09