Staunend leben, lesen und schreiben –
Lesespuren und Textkonstellationen in Ingeborg Bachmanns Werk
Internationale Tagung an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
15.-17. Oktober 2026
organisiert von Anke Bosse (Robert-Musil-Institut für Literaturforschung / Kärntner Literaturarchiv) und Hajnalka Nagy (Institut für GermanistikAECC)
in Kooperation mit der Universitätsbibliothek der Universität Klagenfurt (Ingeborg Bachmann Bibliothek) und dem Ingeborg Bachmann Haus / kärnten.museum
Ingeborg Bachmann war eine poeta docta – ihr Schreiben und ihr Werk speisen sich aus einer breiten und tiefen Kenntnis von europäischen Literaturen, Philosophie, Psychologie, Soziologie, Musik u.v.m. Davon zeugen nicht nur Textspuren in ihren literarischen und essayistischen Werken, sondern auch ihre Autorinnenbibliothek, die seit ihrem Tod 1973 der Forschung und interessierten Öffentlichkeit nicht zugänglich war; auch der immer wieder angekündigte Katalog wurde nie publiziert. Seit dem 28. November 2025 ist dies nun anders: Feierlich wurde in der Universitätsbibliothek der Universität Klagenfurt die Ingeborg Bachmann Bibliothek (IBB) als Sondersammlung in eigenen Räumlichkeiten eröffnet, als Leihgabe des Landes Kärnten. Die professionelle digitale Katalogisierung der IBB schreitet zügig voran und wird die Bestände weltweit recherchierbar machen.
Für die Bachmannforschung erfüllt sich nun ein seit über 50 Jahren immer wieder eingeklagtes Desiderat. Zweifellos werden zum einen ihr und zum anderen der laufenden Salzburger Bachmann Edition von der nunmehr zugänglichen IBB neue Impulse und Erkenntnisse zuwachsen. Dies gilt drittens aber auch für die Forschung zu Autor:innenbibliotheken. Sie setzt sich dafür ein, den Austausch zwischen Lesen und Schreiben, zwischen Autor:innenbibliotheken und literarischen Nachlässen zu untersuchen und diese Zusammenhänge in digitalen Projekten zugänglich zu machen. Unsere Tagung widmet sich diesen drei Feldern und hat dazu internationale Expert:innen einladen. Damit wollen wir – nun aus interdisziplinärer Sicht – die Eröffnung der IBB und Ingeborg Bachmanns 100. Geburtstag 2026 feiern.
Leitfragen, an denen die eingeladenen Expert:innen ihren Vortrag orientieren, sind:
- Welche Auswirkungen hat die IBB auf die Kommentierung von Bachmanns Werken, z.B. in der Salzburger Bachmann Edition?
- Was zeichnet Bachmann als Leserin aus?
- Wie inszeniert sich Bachmann in ihren Texten als Leserin? Welche Funktionen hat diese Selbstinszenierung?
- Wie greifen Lese- und Schreibszene ineinander?
- Wie funktioniert Intertextualität bei Bachmann? Welche Perspektiven könnte die IBB eröffnen?
- Gibt es neue, intertextuelle Bezüge, die in der Forschung bislang keine Berücksichtigung fanden oder durch ihre Bibliothek neu entdeckt werden können? Ergeben sich neue Textkonstellationen für ihr poetologisches Programm?
- Was ist eine Autor:innenbibliothek, welche Erkenntnisse sind aus ihr zu gewinnen für das Lesen und Schreiben einer Autorin, eines Autors?
Dazu treten zwei öffentliche Veranstaltungen: Vorstellung der neuesten Bachmann-Biographie von Dieter Burdorf (im Gespräch mit Johannes Waßmer) sowie ein Bachmann-Jazz-Abend, beide am im Musil-Institut/Kärntner Literaturarchiv (Musil-Haus) sowie Eröffnung der Ausstellung Ingeborg Bachmann – eine Hommage zum 100. Geburtstag im kärnten.museum mit Vernissage.