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Tirol als einziges Bundesland Österreichs mit Anteil an zwei deutschen Großraumdialekten – dem Bairischen und dem Alemannischen mit entsprechenden Übergangszonen – stellt einen spannenden Raum für dialektologische Fragestellungen dar, traditionellerweise für die Dialektgeographie. Davon zeugt nicht zuletzt die Existenz des Tirolischen Sprachatlas (TSA), einer der wenigen, die in Österreich existieren (neben dem Vorarlbergischen Sprachatlas und dem Sprachatlas von Oberösterreich). Auch das Tiroler Dialektarchiv hat sich bislang vor allem mit dialektgeographischen Fragestellungen auseinandergesetzt (vgl. Gschösser/Kathrein 2019).
Dabei ist ein Blick auf die „andere“ Seite, jener auf die Wahrnehmung und die Einstellungen der Bevölkerung auf diese unterschiedlichen Varietäten, genauso lohnenswert. Das „Tirolische“ führt des Öfteren Beliebtheitsskalen an (vgl. etwa Steinegger 1998, 357; Goldgruber 2011, 77; Gludovacz 2016, 72; Kleene 2020, 42). Wie aber sehen die Tiroler:innen ihre Varietäten, die ja einen differenzierteren Blick auf das Eigene haben? Welche Tirolischen Dialekte haben das größte Salienzpotential, welche gefallen den Tiroler:innen, welche weniger und warum? Und wie stimmen diese Assoziationen mit tatsächlich perzipierten Dialekten zusammen? Werden sie überhaupt erkannt? Welche stereotypen Vorstellungen lassen sich orten? Und vor allem: Wie stehen die Tiroler:innen zu den zwei unterschiedlichen Varietäten bairisch und alemannisch? Im Vortrag sollen erste Ergebnisse einer wahrnehmungsdialektologischen Fragebogenstudie vorgestellt werden, die im Juni und Juli 2025 durchgeführt wurde.
Literatur:
Gschösser, David/Kathrein, Yvonne (2019): Die Digitalisierung der Bestände des Tiroler Dialektarchivs. Ein Werkstattbericht zum vorläufigen Projektende. In: Colloquium – New Philologies 4/2, 52 – 84. [https://doi.org/10.23963/cnp.2019.4.2.3]
Gludovacz, Barbara (2016). „Dialekte“ in Österreich aus Wiener Sicht. Diplomarbeit, Universität Wien.
Goldgruber, Barbara (2011). Einstellungen zu Dialekt und Standardsprache in Österreich. Diplomarbeit, Universität Wien.
Kleene, Andrea (2020): Beliebt, unbeliebt und/oder markant? Bewertungen und Zuordnungen von Dialekten durch österreichischen Gewährspersonen. In: Hundt, Markus/Kleene, Andrea/Plewnia, Albrecht/Sauer, Verena (Hrsg.): Regiolekte. Objektive Sprachdaten und subjektive Sprachwahrnehmung (= Studien zur deutschen Sprache 85). Tübingen: Narr, 37–54.
Steinegger, Guido (1998). Sprachgebrauch und Sprachbeurteilung in Österreich und Südtirol: Ergebnisse einer Umfrage. Frankfurt: Lang.
TSA = Kühebacher, Egon (1965–1971): Tirolischer Sprachatlas. 3 Bde. Marburg: Elwert.