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Aus der Literatur ist bekannt, dass Konnektoren – und somit auch Konjunktionen – besonders anfällig für Entlehnung sind (Matras 2007; Thomason 2001). Die Chronologie der Entlehnungen erweist sich jedoch als nicht willkürlich, sondern folgt bestimmten implikativen Mustern. So postuliert Matras (2007: 54), dass Sprachen, die koordinierende Konjunktionen aus der Gebersprache übernehmen, zunächst adversative Konjunktionen (= ABER) entlehnen. Im nächsten Schritt können disjunktive Konjunktionen (= ODER) und erst danach kopulative Konjunktionen (= UND) übernommen werden. Eine weitere Implikationskette für die Entlehnung der Konjunktionen schlägt Grant (2012: 350) vor: Koordinierende Konjunktionen werden nur dann entlehnt, wenn die Sprache bereits subordinierende Konjunktionen oder einen Komplementierer übernommen hat.
Um die Standfestigkeit dieser Entlehnungshierarchien zu überprüfen, analysiere ich in synchroner Perspektive mittels durch einfache Frequenzbestimmungen ergänzten qualitativen Verfahren empirische Daten aus 123 Kontaktsituationen in den indigenen Sprachen der Russischen Föderation. In all diesen Fällen sind Lehnkonjunktionen vor allem aus dem Russischen, aber z.T. auch aus dem Arabischen, Persischen und anderen Sprachen nachgewiesen. Die Ergebnisse tragen dazu bei, die Gültigkeit und Grenzen der vorgeschlagenen Entlehnungshierarchien zu bewerten und diese ggf. zu modifizieren.
Zitierte Literatur
Grant, Anthony P. 2012. Contact, convergence, and conjunctions: a cross-linguistic study of borrowing correlations among certain kinds of discourse, phasal adverbial, and dependent clause markers. In Claudine Chamoreau & Isabelle Léglise (eds.), Dynamics of contact-induced language change. 311–358. Berlin & Boston: De Gruyter Mouton.
Matras, Yaron. 2007. The borrowability of structural categories. In Yaron Matras & Jeanette Sakel (eds.), Grammatical borrowing in cross-linguistic perspective. 31–74. Berlin & New York: Mouton de Gruyter.
Thomason, Sarah G. 2001. Language contact. An introduction. Washington/DC: Georgetown University Press.
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